
Die britische Agenturholding WPP verleibt sich das Adtech-Unternehmen Infosum aus dem eigenen Land ein. Der Data-Clean-Room-Anbieter wird Teil des Media-Agenturnetzwerks Groupm und soll vor allem bei dem Trainieren von KI-Modellen zum Tragen kommen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.
Infosum wurde 2015 in Großbritannien gegründet und bietet seinen Data Clean Room seit 2020 auch in Deutschland an. Hier bilden Unternehmen anhand eines Identifiers eine gemeinsame Datenbasis, ohne dass Daten zentralisiert oder tatsächlich ausgetauscht werden müssen. Dafür haben sich die Briten ihre “Non-Movement of Data”-Technologie patentieren lassen.
In der Werbeindustrie werden Clean Rooms vor allem für Targeting- und Measurement-Zwecke angewandt. So können beispielsweise verschiedene Parteien, wie etwa eine Marke und mehrere Publisher, ihre Nutzerprofile oder CRM-Daten gemeinsam nutzen, ohne dass datenschutzrechtliche Probleme entstehen. Infosum hat sich mittlerweile neben seinem respektablen Kundenstamm ein breites Netzwerk an Datenpartnern und kooperierenden ID-Anbietern aufgebaut.
Training von KI-Modellen im Clean Room
Die Clean-Room-Technologie integriert WPP in das eigene “Marketing-Betriebssystem” WPP Open, das den Kunden der Holding zur Verfügung steht. So sollen die Potenziale der First-Party-Daten der Kunden ausgeschöpft werden, indem sie diese mit anderen Datensignalen über Infosum verknüpfen. Brian Lesser, globaler CEO der WPP-Tochter Groupm, betont in diesem Zuge die Bedeutung von Identity-basierten Daten für das heutige Marketing. Er kennt sich mit der Plattform von Infosum bestens aus, da er dem Unternehmen als CEO vorstand, bevor er 2024 an Lauren Wetzel übergab. Gleichzeitig hebt Lesser jedoch die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) beim Einsatz des Clean Rooms hervor.

“Die direkte Integration des globalen Datennetzwerks und der technologischen Infrastruktur von Infosum ermöglicht es unseren Kunden, noch mehr Wert aus ihren First-Party-Daten zu schöpfen, und versetzt uns in die Lage, die KI-Modelle unserer Kunden anhand der umfangreichsten Daten an den vielfältigsten Orten in noch nie dagewesenem Umfang und Tempo zu trainieren”, erklärt Brian Lesser. Die KI-Modelle sollen also mit Daten trainiert werden, ohne diese zu zentralisieren. In der Ankündigung der Übernahme heißt es weiter, dass Kunden mit Infosum individuelle KI-Modelle erstellen, trainieren und einsetzen können, “um sofort Erkenntnisse und Audiences zu generieren, Kampagnen über das gesamte Marketing-Ökosystem hinweg zu optimieren und messbare Verbesserungen der Kampagnenleistung innerhalb von Stunden statt Wochen zu erzielen.” Die Übernahme sei ein wichtiger strategischer Schritt für das KI-gestützte Datenangebot von WPP und verschaffe sofortigen Zugang zur größten plattformübergreifenden Quelle datenschutzkonformer, nutzbarer Daten für Marketing Intelligence, Audience Targeting und das Training von KI-Modellen.
Die Infrastruktur von Infosum bleibt an die bestehenden Partner und Plattformen angeschlossen. Personell ändert sich an der Spitze des Unternehmens ebenfalls nichts. Lauren Wetzel behält ihre Position als CEO, schlüpft jedoch zusätzlich in die Rolle der Chief Solutions Officer für die Groupm. Als solche wird sie künftig datengetriebene Produkte und Lösungen für die Kunden der WPP und Groupm entwickeln.
Tech Finder Unternehmen im Artikel
EVENT-TIPP ADZINE Live - CTV & Video - Planung, Einkauf und Bewertung von Bewegtbildkampagnen am 10. April 2025, 11:00 Uhr - 12:30 Uhr
Wie können Advertiser die passenden On-Demand-Reichweiten identifizieren und planvoll einsetzen? Welche Messmethoden und Planzahlen sind verfügbar? Welche Performance-Indikatoren sollte man hinzuziehen? Eine weitere zentrale Frage ist zudem, wie man den Einkauf angeht. Jetzt anmelden!
Events
Tech Partner
Whitepaper
Das könnte dich interessieren
-
ADTECH Budgetverschwendung adé: Werbeausgaben effizienter machen
-
DATA Inferenzstatistik funktioniert – wie die Prognosen zur Bundestagswahl zeigen
-
PROGRAMMATIC Sustainability & Programmatic – Trend oder Chance für echten Wandel?
-
ADTECH Sichtbarkeit, Situation, Interaktion: Der neue Dreiklang der Aufmerksamkeit